„Ein Schuss Berliner Coolness“

Gespräch mit NOMOS-Glashütte-Gründer Roland Schwertner und Markenchefin Judith Borowski über die NOMOS-Designklassiker.

Judith Borowski, Designchefin von NOMOS Glashütte. Photo Copyright: NOMOS Glashütte.

Frau Borowski, wer trägt eigentlich eine NOMOS-Uhr?

Borowski: Immer mehr Menschen zum Glück. Generell sind wir nicht die Marke, die intensive Marktstudien betreibt. Wir machen Uhren, die uns und unseren Freunden gefallen und hoffen, damit andere anstecken zu können. Unsere Zielgruppen werden vielfältiger, breiter. Das sind zum einen Menschen, die Technik lieben. Für andere ist die Herkunft Glashütte wichtig. Oft sind es Leute, die genau wissen was sie wollen. Viele Männer Ende 30 sind darunter. Ein wenig augenzwinkernd sagen wir: Wir machen Uhren für Leute, die lesen und schreiben können.

Was kommt als nächstes, der NOMOS-Tourbillion oder die Uhr mit Mondphase?

Schwertner: Das Tourbillion ist ja relativ einfach, das kann doch jeder. Dafür brauchen Sie ein bis zwei gute Uhrmacher und die bauen dann das Tourbillion. Die Technologie, ein Automatikwerk in hoher Qualität und in Serie zu machen, die haben nur Rolex, Swatch – und wir. Weltzeituhren und Golduhren mit allen Glashütter Raffinessen haben wir auch. Doch noch wichtiger für uns ist großserienfähige Technologie, die sich viele Kunden auch leisten können.

Das Modell Tangente gehört inzwischen zu den Designklassikern…

Schwertner: Nicht nur die Tangente. Auch Tetra, Orion, Ludwig. Doch NOMOS Glashütte hat 1992 mit der Tangente angefangen. In den 1990er Jahren galt sie als eine sehr große Uhr, aber auch Frauen haben sie immer gern getragen. Wir haben damals gesagt, Frauen sollen keine Kinderuhren tragen müssen wie diese Schmuck- und Kordelührchen. Deshalb haben wir erstmal eine Uhr in der richtigen Größe gemacht. Dann haben wir die Frauen über die Farben erreicht, vor allem mit den Uhren der Serie Tetra Quadrat. Viele haben die Tangente wegen ihrer Schönheit gekauft. Und in Kauf genommen, dass sie diese Uhr aufziehen müssen.

Was macht den Erfolg des Modells Metro aus?

Schwertner: Für diese sehr moderne Uhr haben wir zwei Patente registriert, das Datum wie die Gangreserve sind spezielle NOMOS-Entwicklungen. Metro ist eine spezielle Uhr: asymmetrisch, dezent farbig, mit Bügeln als Bandanstößen, mit Gangreserveanzeige (Anmerkung MIF: Anzeige, wie lange die Uhr noch läuft bis der Träger sie an der Krone wieder aufziehen muss). Wir kommen kaum hinterher, Metro zu bauen, die Leute wollen diese Uhr. Die Gangreserveanzeige der Metro ist uhrmacherisch ein Hit. Unser Ausnahmeuhrmacher Thierry Albert, lange Zeit Entwicklungschef bei NOMOS Glashütte, hat die Gangreserve ungewöhnlicher Weise direkt in das Federhaus gebaut und für diese Innovation erhielten wir ein Patent. Metro wird unter anderem auch wegen des Designs dieser mehrfarbigen, außergewöhnlichen Anzeige wahrgenommen, die innovative Uhrmacherleistung dahinter geht leider manchmal etwas unter.

NOMOS-Gründer Roland Schwertner. Photo Copyright: NOMOS Glashütte.

Inzwischen bietet NOMOS Glashütte auch zwei Golduhren an…

Schwertner: Bei den Golduhren Lux und Lambda haben wir alle Glashütter Raffinessen verbaut: Schwanenhalsfeinregulierung, verschraubte Goldchatons und Doppelfederhaus. Es sind unsere Sonntagsuhren, damit erreichen wir, obgleich diese Modelle höchst modern wirken, auch die ältere und konservativere Kundschaft.

Borowski: Wir haben uns gedacht, wenn wir schon goldene Uhren machen, dann mit Spaß und Augenzwinkern. Deswegen sieht Lux ein bisschen so aus wie eine Küchenuhr fürs Handgelenk. In den 60er Jahren gab es viele dieser Küchenuhren in Deutschland. Wir dachten uns, wenn wir eine Uhr in Weißgold machen, die ein wunderbares traditionelles Werk hat, in der alles steckt, was Glashütte so kann und in welches unsere Uhrmacher ihren ganzen Stolz packen – dann sind wir auf der Vorderseite ruhig ein wenig frech, trauen uns einen Schuss Berliner Coolness.

Das Interview ist der zweite Teil eines dreiteiligen Gesprächs, das Men’s Individual Fashion 2016 auf der Baselworld Uhrenmesse geführt hat. Das Gespräch führten Christine Fröhlich und Christian Frosch. Das Artikelbild zeigt das NOMOS Modell Lux Cicada und ist ein Pressebild/Copyright: NOMOS Glashütte. 

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