NOMOS fährt hinterher

KOMMENTAR- NOMOS Glashütte hat mit seiner neuen Modellfamilie „Autobahn“ den Trend zu Autouhren nachgemacht, statt voranzugehen. Traditionshersteller wie Junghans haben mit der MeisterDriver schon vor Jahren stimmig im Oldtimerbereich eine schöne Uhr vorgestellt. 

Die designorientierte Marke NOMOS Glashütte war bislang eher ein Trendsetzer als ein Nachmacher. Die Gangreserve der Golduhr Lamda erinnerte schlicht und zurückhaltend an einen Autotacho. Die neue Modellfamilie ist sicher polarisierend und wird, wie bei polarisierenden Dingen üblich, manchem gefallen.

Die ist mit 3800 Euro hochpreisig und hat Schwächen. Der einem Tacho nachempfundene Ring ist mit bei Nacht leuchtendem Superluminova beschichtet. Nur zwei der drei Modelle haben ebenso leuchtende Stundenzeiger um bei Dunkelheit die Zeit annäherungsweise abzulesen zu können. Das skizzierte Modell unten hat keinen leuchtenden Stundenzeiger und damit bei Nacht mutmaßlich große Ableseprobleme. Jemand auf der Baselworldmesse hat gesagt, diese Uhr erinnere ihn eher an eine Einzeigeruhr, womit NOMOS bislang nichts zu tun hat.

Da hilft es auch nicht einen bekannten Designer zu verpflichten: Diese Uhr ist nicht der bisherige NOMOS Designstandard.  Die Erwartungshaltung eine schöne und konsequent gestaltete Uhr bei NOMOS anzufinden ist erschüttert. So hart es ist, die NOMOS Verantwortlichen haben ihren eigenen sehr hohen Standard nicht erreicht und sich möglicherweise großen Schaden zugefügt. Das Modell Autobahn Neomatik 41 Datum Sportgrau könnte damit eine Bedrohung für die Marke NOMOS Glashütte werden oder die Marke in ganz andere Richtungen lenken. In jedem Fall erinnert das Modell Autobahn daran, dass es schwierig ist, eine ungewöhnlich gestaltete Uhr erfolgreich zu machen. Das ging beim Modell Metro sehr gut. Es ist heute ein allseits gefeierten Design-Star der Uhrenwelt.

So bleibt es abzuwarten, wohin der Weg von NOMOS führt. Es könnte sein, dass diese Uhr das Schicksal der Uhr „Oberlehrer“ ereilt, jener Uhr, die einst Lehrer zum Schmunzeln bringen sollte, aber durchfiel. Ein weiser Mann hat einmal gesagt, dass es ein Unterschied sei, etwas zu wollen, etwas zu können und für etwas bereit zu sein. Es wäre schade, wenn NOMOS sich in die lange Reihe derer einreihen würde, die großen kommerziellen Erfolg nicht zulassen können und sich dann aus übersteigertem Ego heraus selbst sabotieren.  

Das Titel- und das Vorschaubild ist überraschend eingetroffenes Pressematerial von NOMOS, Copyright: NOMOS Glashütte. Wir hatten schon nicht mehr damit gerechnet doch noch Pressebilder von NOMOS Glashütte zu bekommen. Trotz entgegenstehender Beteuerungen, man behandle alle Medienvertreter gleich, versorgt uns NOMOS seit 2017 nicht mehr aktuell mit Pressebildern zu den Neuerscheinungen. Warum das so ist, das ist ein besser gehütetes Geheimnis als die Frage, warum NOMOS nicht diejenigen Medien sanktioniert, die regelmäßig vertrauliche Vorabinformationen vor Ablauf des Veröffentlichungsembargos veröffentlichen.

Wir wollten diesen Kommentar deswegen mit der abgebildeten Skizze in Tusche zieren, die wir Ihnen, verehrter Leser, nicht vorenthalten möchten. Das Urheberrecht liegt bei Men’s Individual Fashion. Dann gibt es bei der nächsten relevanten NOMOS Neuerscheinung vielleicht eine Tuschezeichnung als Titelbild. Wer weiß das schon.