Olympische Sekundenbruchteile

Olympischer Leichtathletikwettbewerb. Copyright: OMEGA.
Olympischer Leichtathletikwettbewerb. Copyright: OMEGA.

 

 

11. August 2016

Von Christian Frosch

 

Es gibt Momente im Leben eines Sportlers, in dem Wimpernschläge zählen und eine mechanische Uhr nicht mehr hinterherkommt. Vor einigen Tagen begannen in Rio de Janero die Olympischen Spiele. Athleten aus 206 Nationen kämpfen um Medaillen, werden ihren Körper ins Ziel werfen oder in Schwimmwettbewerben anschlagen um jeden Millimeter auszureizen.

 

Die Zeitmessung hängt eng mit dem Uhrenhersteller Omega aus der Schweiz zusammen. Aber auch der deutsche Hersteller Junghans hat zur Entwicklung der Sportmesstechnik beigetragen. 

Historische Chronographen. Copyright: OMEGA.
Historische Chronographen. Copyright: OMEGA.

Historische Chronographen führten Messungen durch

 

 

Während heutzutage hochmoderne Zeitmessgeräte im Einsatz sind, lieferte Omega 1932 für die Olympischen Spiele in Los Angeles 30 ganggenaue Chronographen um die Zeit einheitlich stoppen zu können. Die mechanischen Taschenuhren konnten mehrere Zwischenzeiten gleichzeitig stoppen. 

Chronograph. Photo: Men's Individual Fashion.
Chronograph. Photo: Men's Individual Fashion.

Unter einem Chronographen versteht man eine Uhr, die mehrere Zeiten messen kann. Ein Chronometer ist eine besonders genaue (in der Fachsprache ganggenaue) Uhr, die von einer Chronometerstelle nach bestimmten Toleranzen geprüft wurde. Chronometer gab es nicht nur bei Zeitmessungen, viele Uhren für Privatleute sind heute mit diesen Zertifikaten erhältlich. In Deutschland steht die Zertifizierungsstelle in der Sternwarte von Wempe in Glashütte im Erzgebirge. In der Schweiz wacht die Kontrollstelle COSC über die Einhaltung der Ganggenauigkeit bei mechanischen Uhren. 

Zielfinish Bild. Copyright: OMEGA.
Zielfinish Bild. Copyright: OMEGA.

1948 wurden bei den olympischen Spielen in London zum ersten Mal ein Photofinish eingeführt. Beim Start wurde eine elektronische Pistole eingesetzt und eine Kamera an der Ziellinie. „Elektrizität ist unfassbar schnell. Kein Auge und kein Daumen kann so schnell etwas wahrnehmen. Die Athleten unterbrechen die Lichtschranke und das war es dann“ erklärt Petro Protopapas, International Brand Heritage Manager des Zeitnehmers Omega in der Filmreportage „Every split second counts“.  Omega ist seit den Spielen von Los Angeles 1932 immer wieder für olympische Wettbewerbe als Zeitmesser tätig. 

Copyright: OMEGA. 

Eines der ersten farbigen Zielphotos. Copyright: Junghans.
Eines der ersten farbigen Zielphotos. Copyright: Junghans.

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München war der deutsche Uhrenhersteller Junghans aus dem Schwarzwald der offizielle Zeitnehmer. Junghans brachte der Sportwelt das erste farbige Zielfinishphoto. Außerdem verwendete Junghans elektronisch vernetzte Startblöcke, Startkontrollanlagen und Doppellichtschranken, die Fehlstarts entdeckten. 

Elektronische Touchpads ersetzten Schiedsrichter mit Stoppuhren. Copyright: OMEGA.
Elektronische Touchpads ersetzten Schiedsrichter mit Stoppuhren. Copyright: OMEGA.

Elektronische Touchpads für Schwimmwettbewerbe

 

 

1960 in Rom gab es Unklarheiten über den Olympiasieger eines Schwimmwettkampfes. 1960 wurden bei Schwimmwettbewerben immernoch von Schiedsrichtern per Hand bediente Stoppuhren verwendet, was zu einer längeren Debatte führte. „Omega grübelte gründlich darüber nach, wie wir das lösen können“ erinnert sich Peter Hürzeler, Zeitmessungsvorstand von Omega in der Reportage.

 

Schließlich entwickelten die Schweizer elektronische Touchpads für Schwimmwettbewerbe."Der Athlet muss das 12 mm dicke Pad zwei Milimeter mit einer Kraft von 1,5 bis 2,5 Kilogramm drücken, um den Kontakt auszulösen und seine Zeit selbst zu stoppen“ erklärt er.  2008 gewann der US-Amerikaner Michael Phelps die olympischen 100 Meter Schmetterling in Peking nur mit dem hauchdünnen Vorsprung von einer hundertstel Sekunde vor dem Serben Milorad Čavić. 

Moderne Kamera. Copyright: OMEGA.
Moderne Kamera. Copyright: OMEGA.

Brasilien trifft auf Schweizer Uhren

  

Brasilien ist nicht exakt ein Land, das wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert. Das Organisationskomitee in Rio mussten sich im Vorfeld mit baulichen Mängeln und Sicherheitsbedenken auseinandersetzen. Zur Bestimmung der sportlichen Leistungen führt wiederum die Firma Omega, die zum Swatchkonzern gehört, die Messungen durch. 480 Mitarbeiter arbeiten mit 450 Tonnen Ausrüstung und Material für die eine präzise Zeitmessung. Die Kamera, die das Zielphoto des 100 Meterlaufs macht, ist in der Lage 10000 Bilder pro Sekunde aufzunehmen. Für den 1848 gegründeten Uhrenhersteller sind es die 27. Olympischen Spiele als offizieller Zeitmesser. Schweizer Uhren werden so zu einem Gegenpol zur brasilianischen Gelassenheit.

 

 

Mitarbeit: Christine Fröhlich.