„Schuhe mit Wasser abspülen, bevor es Salzränder gibt“

Matthias Vickermann (rechts) und Christian Frosch von Men's Individual Fashion in der Werkstatt von Vickermann & Stoya in Baden-Baden.
Matthias Vickermann (rechts) und Christian Frosch von Men's Individual Fashion in der Werkstatt von Vickermann & Stoya in Baden-Baden.

 

 

15. Dezember 2015

 

Gespräch mit Maßschuhmacher Matthias Vickermann von Vickermann & Stoya, Baden-Baden, über Schuhpflege im Winter, Tipps und Tricks und welche Schuhe im ganzen Jahr tragbar sind.  

 

Herr Vickermann, wenn es kalt wird, wenn es Winter wird, was mache ich dann mit meinem Schuhen?

 

Es gibt drei Themen: Schutz vor Kälte, Schutz vor dem Rutschen und die besondere Pflege im Winter. Im Vordergrund steht meist die Wärmefrage. Wenn es kalt ist, kommt die Bodenkälte in den Schuh. Durch Ledersohlen ist die ganz schnell durch, da empfiehlt sich eine Gummisohle.

 

Eine Ledersohle ist natürlich feiner, aber im Winter zu kalt und auch nicht nötig. Gummisohlen sind weniger atmungsaktiv als Ledersohlen, aber im Winter schwitzt der Träger auch weniger, so dass das nicht schlimm ist.

 

Eine andere Sache ist, dass Kälte im Knöchelbereich eindringt. Wenn es so kalt ist, dann empfehlen sich Stiefeletten und Stiefel, die den Knöchel gut abdecken. 

 

Worin unterscheiden sich denn verschiedene Gummisohlen?

 

Gummisohlen mit stärkerem Profil werden später kalt als solche mit weniger Profil. Der Träger tritt nur mit dem Profil auf, die Auftrittsfläche ist kleiner und die Kälte braucht länger um durch den Gummiblock durchzukriechen. Eine Profillangsohle, also Profilsohlen, die aus einem Stück Gummi sind, helfen natürlich, sind aber auch eher derb. 

 

Wichtig ist auch die Profilform. V-förmige Profile sammeln weniger Steinchen ein als horizontale Profile. Außerdem kommt ein V-förmiges Profil der Bewegung mehr entgegen. Aber da spielen sicher auch optische Fragen eine Rolle.  

 

Was kann ein Träger tun, wenn er nicht auf seine Ledersohlen verzichten mag?

 

Galoschen sind sehr beliebt. Das sind Überschuhe, die sind ganz aus Gummi. Gibt es in verschiedenen Farben, wir verkaufen die vor allem in schwarz, dunkelbraun und orange. Vor allem in orange ist geckig, wenn man sowas schon trägt. Die Galosche hat außerdem den tollen Vorteil, dass sie auch das Oberleder schützt. Gibt es leider in meiner Größe nicht (lacht). (Anmerkung MIF: Matthias Vickermann hat Schuhgröße 50)

 

Was gibt es sonst noch?

 

Irgendwann hilft auch ein gutes Profil nichts mehr, wenn es richtig kalt ist. Dann empfehlen sich zusätzlich Einlegesohlen. Gibt es aus Lammfeld, Alu und Filz. 

 

Und das geht für jede Art Schuh?

 

Ja, gibt es ganz dünn, zwei Milimeter. Mit dem Körpergewicht dann noch ein Milimeter. Das passt in jeden Schuh. 

 

Was kann man noch beachten?

 

Das Thema Wärme ist auch eine Frage der Socke. Gibt es alles, aus Wolle, Baumwolle, sogar Kaschmir. Das macht einiges aus. Bei den teuren Kaschmirsocken sollte man auf die Pflege achten, ansonsten sind die schnell kaputt. Beachtenswert ist auch das Leder innen im Schuh: Bei einem glatten Leder entsteht weniger Reibungswärme. Bei einer rauen Oberfläche entsteht beim Gehen Wärme, der Fuß bewegt sich ja etwas. Manche Leute haben auch einfach Probleme mit der Durchblutung der Füße, da kann ein Wechselbad für die Füße helfen. 

 

Was kann man bei der Pflege beachten?

 

Gut fetten! Viel Schuhcreme, vor allem im Rahmenbereich ist wichtig. Schuhspanner sind immer wichtig, aber im Winter besonders. Es ist einfach sehr viel mehr Feuchtigkeit am Schuh, zusätzlich zum Fußschweiß. 

 

Was sollte man vermeiden?

 

Schuhe niemals auf eine Heizung oder nahe an eine Wärmequelle stellen!

 

Was kann man gegen Salzränder tun?

  

Salzränder sind oft nur ausgespülte Gerbsäure. Mein bester Rat ist beim Nachhausekommen mit klarem Wasser abspülen, mit Zeitungspapier ausstopfen und auf die Seite legen. Das beugt dem Salzrand vor. Wenn der Salzrand einmal drin ist, wird das schwierig. Dann hilft nur noch Lederreiniger, Sattelseife oder gleich zum Schuhmacher bringen, damit er da noch was machen kann. 

 

„Es gibt Ketten für die Schuhe. Die funktionieren wie eine Autoreifenkette“

Das Schuhprofil ist wichtig. Photo: Men's Individual Fashion.
Das Schuhprofil ist wichtig. Photo: Men's Individual Fashion.

Was kann ein Mann gegen die Glätte tun?

 

Außer gutem Profil natürlich, gibt es Ketten für die Schuhe. Das funktioniert wie eine Autoreifenkette. Das ist bei uns im Winter der Verkaufsschlager, kosten 25 Euro. An einer Gummikappe vorne und hinten laufen an der Söhle zwei Metallketten, die sich dann in den Schnee krallen. Die Kette hat auch mehr Grip als eine Galosche, gerade wenn es richtig kalt und gefroren ist. Die Galosche schützt hingegen das Oberleder. 

 

Es gab auch mal ein Metallteil, das wurde an der Absatzfront angebracht und das konnte man aufklappen. Ist inzwischen schwierig zu finden. Die waren wie Spikes für die Schuhe. 

 

 

Wie kann man vorausplanen um böse Überraschungen im Winter zu vermeiden?

 

Ich empfehle ein Paar Halbschuhe mit Gummisohle zu haben, bevor es Stiefelwetter wird. Wer partout keine Gummisohlen unter Halbschuhe haben mag, sollte sich ein Paar Galoschen bereit halten. Außerdem die Schuhe rechtzeitig reparieren lassen. Wenn es kalt wird, bringen viele ihre Schuhe zum Schuhmacher. 

 

Wie lager ich meine Sommerschuhe richtig?

 

Auf jeden Fall sollte der Schuh trocknen sein. Normalerweise nach einer Nacht auf der Seite liegend sind sie dann trocken. Wenn vorhanden einfach in einem dieser Stoffbeutel lagern. Die Beutel sind luftdurchlässig, bei einem ganz getrocknetem Schuh kann man die Schuhe dann normal hinstellen. 

 

Was muss ich nach dem Winter beachten?

 

Ich empfehle nach dem Winter die Schuhe reparieren zu lassen. Dann ist das Profil abgelaufen. Nach der Reparatur hat der Mann, wenn es Monate später plötzlich kalt wird, einwandfreie Schuhe. Viele lassen, wenn sie die Schuhe brauchen, die Reparatur machen und das kann dann dauern. 

 

Welche Schuhe braucht der Mann denn, um durchs ganze Jahr zu kommen?

 

Ich würde sagen vier, nämlich: Einen reinen Sommerschuh, z.B. ein Loafer und einen reinen Winterschuh, z.B. eine Stiefelette. Außerdem einen schwarzen Oxford mit Ledersohle und dann vielleicht einen Derby full brogue mit leicher Profilsohle. Dann habe ich einen reinen Winterschuh, einen reinen Sommerschuh und zwei, die kann ich immer tragen. Mit denen kann ich dann in jeder Jahreszeit während der Woche durchwechseln. 

 

Was kostet das?

 

Zwischen 1000 und 1500 Euro für vier Paar Schuhe, die halten, muss man schon rechnen. 

 

Herr Vickermann, herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen.

  

Gern geschehen. 

 

Das Gespräch mit Matthias Vickermann führte Christian Frosch. 

Der Royal Warrant, Teil 3: Das Allerheiligste der Schuhmacherwelt

 

21. Oktober 2015

 

 

In der Modewelt gibt es drei Dinge, die für Männer unumstritten sind. James Bond war, ist und wird auch weiterhin das Rolemodel für klassische Herrenmode sein. Armani und Eleganz kann man gleichsetzen. Und John Lobb ist der renommierteste Schuhmacher der Welt.

 

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Wegen der überragenden Bedeutung guter Schuhwahl und sorgfältiger Pflege für die Herrengarderobe veröffentlicht Men's Individual Fashion eine eigene Rubrik zum Thema Herrenschuhe.

 

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