„Wie ein Detektiv Pomade wiederbelebt“

Interview mit PomadeShop-Gründer Stan Soldan über Pomade, die Nassrasur und die Kultmarke „Dapper Dan“

Stan Soldan in seinem Münchner Laden. Photo: PomadeShop.
Stan Soldan in seinem Münchner Laden. Photo: PomadeShop.

 

 

03. Oktober 2017

 

Lieber Stan Soldan, seit wann spielt Pomade wieder eine größere Rolle?

 

Ich wage mal zu sagen seitdem ich 2008 online den PomadeShop eröffnet habe. Davor gab es weltweit nichts, vielleicht mal in einem Fifties- oder einem Afroshop, mit einem oft katastrophalen Foto und einem Einzeiler, das war’s.

 

Ich habe, das kann man so sagen, als erster Pomade definiert, die Inhaltsstoffe studiert, die Karriere der Pomade und ihrer berühmten Nutzer herausgefunden und die Vor- und Nachteile herauskristallisiert. Ich hatte als erster eine Kategorisierung der Pomaden in weiche, mittelfeste, feste und sehr feste vorgenommen und konkrete Anleitungen für Kunden zur Verfügung gestellt. Mit mir als Fotomodell, da ich damals niemanden fand, der sich Pomade in die Haare schmieren wollte. Das hat sich defintiv geändert.

 

Traditionelle Pomade basiert auf Vaseline, moderne Pomade auf Wasser. Wir bieten die weltweit größte Auswahl von Pomaden an.

 

Wieso fand man denn im Afroshop Pomade?

 

Viele dunkelhäutige Menschen haben krause Haare. Um die in den Griff zu bekommen, braucht man zähe, super starke Pomade, z.B. die „Murray’s Superior Hair Dressing Pomade“. Als ich begonnen habe mich mit Pomade zu beschäftigen, habe ich mich dann gewundert, warum ich das Zeug kaum aus der Dose bekomme und eine Woche lang nicht auswaschen konnte (lacht).

 

Was gibt es denn -in aller Kürze- zur Geschichte der Pomade zu sagen?

 

Der Siegeszug der Pomade begann mit der Entdeckung der Vaseline im Jahr 1870. Die Hochzeit der Pomade war in den 1920er- und 1930er-Jahren. Ab den 1950er-Jahren wurde Frisiercreme, später dann Haarspray und Gel modern. Pomade wurde ab den 1970er-Jahren, als Männer die Haare länger trugen, zu einem Nischenprodukt. Viele Marken verschwanden völlig.

 

Wie sind Sie dann an die Informationen gekommen, um PomadeShop aufzubauen?

 

Das war eine riesengroße Detektivarbeit. Ich habe versucht alte Produkte zu bekommen, alte Friseur- und Drogeriebücher, alte Werbung. Ich habe wie doof Recherche im Internet betrieben. Es hatte offensichtlich niemanden interessiert, es gab keine Anleitung, keine Beschreibung der Vor- und Nachteile. Selbst bei Friseuren war Pomade in Vergessenheit geraten. 

 

Welche Vor- und Nachteile hat denn Pomade?

 

Pomade ist vor allem für Männer geeignet, die den ganzen Tag eine stabile Frisur haben möchten, z.B. berufsmäßige Helmträger, wie Soldaten und Polizisten, auch Radfahrer und Biker, oder Geschäftsleute, die viel unterwegs sind, sowie Köche und operierende Ärzte. Pomade gibt dem Haar Halt, und bleibt dennoch den ganzen Tag kämmbar. 

 

Zudem ist traditionelle Pomade völlig frei von moderner Chemie. Allerdings je fester eine Pomade ist, desto schwerer lässt sie sich aus dem Haar auswaschen. Das war in den 1930er Jahren als Pomade noch soviel kostete wie ein Friseurbesuch auch gewollt. Heute helfen bei Bedarf spezielle Shampoos nach die Pomade wieder aus dem Haar zu bekommen.

  

Das Hauptmerkmal der Pomade war der Grund warum Pomade für Jahrzehnte verschwand. Denn Pomade verleiht der Frisur einen matten bis öligen Glanz - besonders in den 1920-50ern war ein starker Haarglanz ein Must-have für Männer. Und genau das machte die Pomade aber ab den 1960ern weniger beliebt. Die Männer wollten trocken aussehende Haare. Pomade ist für lange Haare als Haarstylingprodukt ungeeignet, das sieht meist fettig aus. Zur Haarpflege gibt es aber für jede Haarlänge kein besseres Produkt, als Pomade.

 

Stan Soldan in seinem Münchner Laden. Photo: PomadeShop.
Stan Soldan in seinem Münchner Laden. Photo: PomadeShop.

„Rasierseife macht vielen Männern Spaß“

 

 

In München betreiben Sie seit 2015 auch ein Ladengeschäft…

 

Meine Verlobte Monika hatte die Idee dazu. Sie sagte mir: „Das musst Du machen, die Idee vom PomadeShop real präsentieren“. Ich habe mich die ganze Nacht hingesetzt, glücklicherweise den Laden gefunden, der 40 Jahre lang davor vergeben war.

 

Zusammen mit dem Designer Jochen Königshausen haben wir dann die gerade mal 12 Quadratmeter Verkaufsfläche gestaltet. Die Kasse ist eine Antiquität aus Franken, die Heizung ist französischen Plänen von 1870 nachgebaut. Das ganze Team hat Tag und Nacht daran gearbeitet, diesen Lebenstraum umzusetzen. Es war eine unglaubliche Teamleistung.  

 

Anmerkung: Im Juli 2017 hat PomadeShop ein weiteres Ladengeschäft in Köln eröffnet. 

 

 

Was war der Hintergrund, dass PomadeShop auf den Barbicide-Gläsern steht?

 

Wir bekommen viele Anfragen von Frisören und Barbieren zu Produkten und der Dekoration von deren Räumlichkeiten. Barbicide, die für Frisöre und Barbiere die seit 1947 Reinigungsbehälter für Frisörzubehör herstellen, haben PomadeShop als einziger Firma weltweit erlaubt, unseren Firmennamen darauf anzubringen. Darauf bin ich sehr stolz. Selbst weltweiten Friseurketten wurde das verwehrt. Wir vertreiben vorwiegend exklusiv ca. 30 Marken und bauen sie in Deutschland und Europa auch auf. Die Markeninhaber schätzen das sehr. Manchmal wissen wir sogar besser Bescheid als die Inhaber dieser Firmen. Das hatte Barbicide überzeugt.

 

Wir arbeiten seit 2008 mit dem Onlineshop und seit 2015 mit dem Ladengeschäft in München daran, weltweit Pomade und andere nostalgische Pflegeprodukte mit gutem Service zu vertreiben und die Kunden gut zu informieren.

 

 

Die Pomade „Dapper Dan“ genießt unter Pomadeliebhabern Kultstatus. Was ist der Hintergrund?

 

Es gibt einen Film der für Pomadeliebhaber Kult ist. Der Film spielt im Jahr 1937. In einer Szene beschwert sich der Hauptdarsteller in einem Countrystore darüber, dass er dort keine „Dapper Dan“-Pomade bekommt. Das hatte mich inspiriert. Ich habe dann „Dapper Dan“ in Deutschland als Marke schützen können, in den meisten anderen Ländern musste ich einen anderen Namen wählen. Dort heißt die Marke dann “Don Draper” und kommt genauso gut an.  Als Gag habe ich übrigens die „FOP“- Pomade, die der Hauptdarsteller in dem Film wütend ablehnt, weltweit eingeführt. Obwohl es ein Spaß war, lieben die Kunden sie und ich auch.  

 

Im PomadeShop verkaufen Sie nicht nur Pomade, sondern alle möglichen Pflegeprodukte für den Mann…

 

Viele unserer Kunden sind Bartträger und kaufen Bartöl, Bartwachs, Bartbürsten oder Bartshampoo. Da haben wir eine große Auswahl und das wird immer stärker. Neben der Pomade sind auch klassische Rasierprodukte sehr beliebt, vor allem die After Shaves von Dapper Dan, Rasiermesser und Rasierseifen. Das macht Männern am Anfang am meisten Spaß, wenn sie den Rasierschaum selbst machen. 

 

 

Vielen Dank für dieses spannende Interview! 

Sehr gerne!