Eigenen Stil finden und verbessern

Schwarze Fliege. Photo: Men's Individual Fashion.
Schwarze Fliege. Photo: Men's Individual Fashion.

Die Fliege: Rückkehr eines Klassikers

 

29. August 2015

 

Wenn wir an Fliegen denken, denken wir an Operndirigenten, unsere Großväter und Professoren. Sie ist bei Berufen verbreitet, bei denen sich Männer häufig nach vorne beugen müssen wie Architekten, Ärzte und Barpersonal. Zunächsteinmal muss man den Namen klären. Im Volksmund heißt sie Fliege, der etwas offiziellere Name ist Schleife oder Querbinder. Während sie in England und den USA sehr beliebt und verbreitet ist, erlebt sie derzeit ein Comeback in Deutschland. „Fliegen verkaufen sich sehr gut und die Fliege erlebt ein Revival in Deutschland“ sagt Jennifer Stock, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei Felix W. 

 

Zum Einsatz kommt sie von je her bei offiziellen Anlässen, z.B. in der Oper und bei Empfängen. Die klassischen Dresscodes „black tie“ und „white tie“ verlangt nach einer schwarzen beziehungsweise weißen Fliege. Und so ist es keine Überraschung, dass bei von Floerke, einem Onlineshop für selbstgebundene Schleifen, der schwarze Querbinder das meistverkaufteste Accessoirestück ist. 

 

Das Kleidungsstück ist eine andere Variante der Krawatte, die sich herausbildete, als Männer begannen sich Tücher an das Hemd zu binden. Die Herstellung ist aufwendig, sagt David Schirrmacher, Gründer von „Von Floerke“, „Der Schneider muss den Querbinder verkehrtherum mit dem Innenfutter vernähen, das wird dann umgestülpt, damit man die Naht nicht sieht“ erklärt der junge Unternehmensgründer. 

 

Der Vorteil ist, dass sie kaum bekleckert werden kann und sie auch nicht auf den Tisch hängt, wenn man sich häufig darüber beugen muss. Bislang ist sie wenig verbreitet in Deutschland, obwohl sie den Mann bei seinem modischen Hauptziel unterstützt: Die Aufmerksamkeit auf das Gesicht und damit auf die Persönlichkeit zu lenken. Sie eignet sich besonders (aber nicht nur) für schlanke Männer. Eine Krawatte hat einen großen Einfluß auf die Erscheinungsweise eines Mannes. Eine breite Krawatte lässt ihn kleiner wirken, eine schmale größer. Fällt die Wahl auf den Querbinder bleibt der gerade Strich in der Körpermitte weg, was großen und schlanken Männern zu gute kommt. 

Die Schleife ist wieder in

 

Als Alternative bieten immer mehr Hersteller Schleifen an. Thommy Hilfiger und H&M haben sie wieder im Sortiment. Luxuslabels wie Versace und Gucci haben sie wiederentdeckt. Beim deutschen Hersteller Felix W., der unseres Erachtens auch bei Anzügen für junge Männer ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet, gibt es eine große Auswahl. Den Trend in Deutschland hochwertige Querbinder anzubieten hat aber das Bonner Modehaus von Floerke mit der Kollektion „a Gentleman’s one“ begonnen und ist damit sehr erfolgreich.  Es gibt immer mehr farbige, gepunktete und sogar Fliegen aus Jeansstoff, so dass es Männern mit jedem Hintergrund möglich ist dieses Kleidungsstück in ihren Stil zu integrieren. 

 

Beachten sollte man, dass die Schleife nicht über den Hemdkragenrand oder die Gesichtsbreite hinaussteht (es sei denn man will das unbedingt, aber das ist dann eher eine Karnevalsangelegenheit). Es gibt sie vorgebunden, was einfacher ist und zum selbstbinden. In England gibt es eine Redensart „a gentleman’s one“, die sagt eine Schleife sei nur dann eines Gentleman würdig, wenn sie zum selbst binden ist. Das Selbstbinden erfordert etwas Übung und ist für Liebhaber natürlich die logischere Wahl.

 

Ingesamt ist die Fliege für konservativere Berufe und ältere Männer in allen Lebenslagen überhaupt kein Problem. Für jüngere Männer wird sie zunehmend zum modischen Hingucker und zur erwägenswerten Alternative für Abendveranstaltungen. 

Zum Aufpeppen: Das Einstecktuch


Wer sich jemals gefragt hat, wofür die Brusttasche eines Jacketts gedacht ist: Für ein Einstecktuch. Einstecktücher umweht die Aura des Extravaganten und Offiziellen, es kann aber noch viel mehr. Mit der richtigen Farbe und mit dem Stoff des Jacketts kombiniert kann es ein Outfit aufwerten und positive Veränderungen in der Außenwirkung erreichen.


Artikel über das Einstecktuch 

"Man muss auch loslassen können"-Nachruf auf eine treue Begleiterin

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.


27. Januar 2015

 

Wir waren für fast acht Jahre unzertrennlich. Sie begleitete mich in so manchem kalten Winter. Als Belohnung für eine gelungene Studienarbeit habe ich sie bei Lacoste in Heidelberg gekauft. Vieles änderte sich in meinem Leben in dieser langen Zeit, sie aber blieb. Im harten chinesischen und schwedischen Winter wärmte sie mein Haupt. Sie hatte den allerbesten Blick mit mir bei Minusgraden auf der chinesischen Mauer.

 

Vor ein paar Monaten habe ich sie wahrscheinlich in der Umkleide eines Thermalbades vergessen. Einige Wochen wollte ich es nicht wahrhaben. Als ich das zigte Mal beim Fahrradfahren friere, kommt die Erkenntnis schließlich aus reinem Selbsterhaltungstrieb bei mir an: Ich muss eine neue Mütze besorgen und vorangehen, Sentimentalität hin oder her. Die Verkäuferin an der Kasse meinte halb belustigt, halb verständnisvoll man müsse auch loslassen können, als ich murmle heute sei ein großer Tag. Ich fremdle noch etwas mit der Neuen, es fühlt sich so ungewohnt an.  

Kaffeebecherhalter aus Leder- stilvoll Kaffee unterwegs trinken

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Schwedisch verfügbar. Further languages...

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.

 

08. Januar 2015

 

Am Nikolaustag schlendere ich durch Stuttgart und gehe eigentlich nur in die Boutique, weil einer meiner Lieblingspullis von diesem Label ist und ich meiner Begleitung das Geschäft zeigen möchte. Dann bekomme ich einen Ausraster vor Begeisterung. Massimo Dutti hat einen Kaffeebecherhalter aus Leder entworfen. Der Filialleiter ist schnell überzeugt, dass ich ein leidenschaftlicher Modeblogger im Kaffeerausch bin und jetzt fotografieren darf. Und dann noch dieses Accessoir kaufen mag. 

 

Geschäftige Arbeitstage und Reisen begründen den Siegeszug des Papierbechers. Die zivilisierteste Form des Kaffeetrinkens ist eine italienische Espressobar, in der eine Siebträgermaschine heißen Espresso macht. Diese Ruhe bleibt den Südländern vorbehalten, denen die Sonne und Lebenskunst so nahe ist. Mittel- und Nordeuropäer trinken viel mehr Kaffee und weniger in einer Kaffeebar, sondern unterwegs. 

 

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.

Der deutschsprachige Raum ist Kaffeeland. Im Norden muss man sich noch mehr wärmen. Skandinavien hat den größten Kaffeekonsum der Welt. „Fika“ ist schwedisch und bedeutet „Kaffee und Kuchen“, oft mehrmals am Tag. Schweden brauchen das wie die Luft zum Atmen. 

 

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Nicht jeder Kaffeebecher aus Papier ist stylisch (ausser er kommt aus Skandinavien). Oft sind die Becher zu heiss, doppelte Becher und Papphalterungen sind entweder unzureichend oder sehen seltsam aus. Eine kleine Testreihe in meiner Küche mit kochendem Wasser in herkömmlichen Papierbechern bestätigt die Isolierfähigkeit des Lederhalters. 

 

 

Massimo Dutti hat mir einen schönen Kaffeebecherhalter aus Leder geschaffen. Schützt gegen Hitze, sieht edel aus und verschönert noch den hässlichsten Papierbecher. In meinen Augen das ultimative Accessoir für leidenschaftliche Kaffeetrinker, die oft Take away Becher mitnehmen und dabei nicht an Stil einbüßen wollen. Ob die Lederfarbe auch zum Gürtel oder den Schuhen passen muss, lassen wir jetzt mal beiseite. 

Men’s Individual Fashion dankt dem Kaffee Katesch, Tübingen, für die freundliche Hilfe bei der Gestaltung dieses Artikels. Wir danken auch Massimo Dutti für die Erlaubnis in Ihren Räumlichkeiten fotographieren zu dürfen. 

Neujahresideen 2015

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.

03. Januar 2015

 

Was das neue Jahr bringen wird, weiß niemand. Vielleicht treffen manche ihre Traumfrau, heiraten, machen Karriere oder reisen. Es gibt viele Dinge, die man sich im großartigen neuen Jahr 2015 vornehmen kann.

 

Men’s Individual Fashion hat drei modische Neujahresideen zusammengestellt.

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.

 

Die Investition des Lebens


 

Die meisten Männer haben keine Ahnung, wie gut ihre Umgebung auf ein vernünftiges Paar Schuhe reagiert und wie fundamental es das Wohlfühlen verändert. Ein gutes, rahmengenähtes Paar Schuhe ist vielleicht die beste Investition, die ein Mann jemals tätigen kann. 

Photo: Men's Individual Fashion.
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Garderobe aufbauen

 

Es ist schlicht eine Lüge, dass positive Veränderung über Nacht kommt. Es dauert 38 Tage eine neue Gewohnheit zu etablieren. Mit Wissen und ein paar Kniffen sind große modische Verbesserungen zwar schnell möglich, aber wirkliche Modesicherheit aufzubauen dauert und ist ein Prozess. Men’s Individual Fashion existiert, weil wir Männern Modekompetenz vermitteln.

 

Ein beigefarbenes Knitterhemd hat vor mehr als zehn Jahren meine Modebegeisterung angestoßen. Men’s Individual Fashion stellt 2015 immer wieder einzelne Kleidungsstücke, Accessoires und Strategien vor, die vielleicht bei manchem Leser die Modebegeisterung so richtig entfachen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Aufbau einer guten Jeansgarderobe und beim Büromann von Hemden und Anzügen, mittelfristig sehr viel Geld spart, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass immer etwas passendes im Schrank hängt.    

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.

 

Kleider machen Leute

 

Kleidung zu tragen, die man selbst gewählt hat, die zu einem gehören und die ausserdem noch hervorragend aussehen, gibt ein tiefes Gefühl der Selbstsicherheit. In vernünftigen Schuhen läuft man anders, gute Kleidung ist wie eine Rüstung. Und das strahlt ein Mann dann aus.

 

Den Kleidungsstil zu finden, bei dem die Stücke sitzen und die wirklich zu dem Mann passen, der sie trägt, ist die absolute Grundlage gelungener Kommunikation ob im Büro, beim Date oder im Alltag.

Warum es so schwer ist

Photo: Men's Individual Fashion.
Photo: Men's Individual Fashion.


20. Dezember 2014

 

Warum es so schwer ist beim Einkaufen Spaß zu haben und erfolgreich zu sein, hat mehrere Gründe. Einer wurde mir neulich einmal wieder deutlich. 


 

„Lassen Sie es einfach beim Schneider kürzen“


Ich war mit einem Coachingteilnehmer bei einem Einkaufscoaching in Stuttgart unterwegs. Er ist Rechtsanwalt und wollte seine Bürogarderobe erweitern. Ich bringe ihn also in einen Herrenausstatter auf der Königsstrasse, der hochwertige Hersteller führt und derzeit einen Räumungsverkauf hat. Wir wollen dort für ihn zwei exzellente Bürohemden finden. Richtig gute Bürohemden für besondere Anlässe kosten zwischen 100 und 150 Euro und sind das auch wert. Ich zeige meinem Begleiter die führenden Hersteller. Wir sprechen über Kragenarten, Knöpfe, Schultersitz und die Ärmellänge, die bei ihm die Herausforderung ist. Für seine Figur hat er eher kürzere Arme. Das Probehemd des ersten Herstellers hat zu lange Ärmel. Ich frage eine Verkaufsdame, ob andere Modelle vorrätig sind. Die Antwort ist, man solle doch einfach bei einem Schneider die Ärmel kürzen lassen. Das Hemd soll ursprünglich 119 Euro kosten, nach Räumungsrabatt 107 Euro. 



„Gefällt Dir das? Weiss nicht“


Während ich das Hemdenregal nach einem Hemd durchsuche, das farblich zu meinem Kunden passt, bemerke ich ein junges Paar neben mir. Er sucht nach einem Hemd und wirkt ziemlich verloren dabei, ich widerstehe der Versuchung Hilfe anzubieten und meine Karte zu übergeben. Mein Schützling braucht gute Hemden. Ich muss ungewohnt lange warten, bis sich eine andere Verkaufsdame bequemt zu mir zu kommen, ich bitte sie ein Hemd eines anderen Herstellers von Nadeln und Klammern zu befreien, da ein Probehemd dieses Herstellers und Schnitts nicht vorhanden ist. Sicherheitshalber frage ich nach, ob hier vom Personal (und natürlich nicht vom Kunden) Hemden geöffnet werden, was der Standard ist. Sie bejaht gequält. Auch dieses Hemd hat für meinen Kunden zu lange Ärmel und ist an der Brust zu weit. Es soll reduziert 98 Euro kosten. 



„Wir können nicht jedes Hemd aufmachen“


Ich frage nach dem dritten Premiumhersteller und will sehen, ob diese Hemden so ausfallen, dass er sie tragen kann. Die Dame erklärt, „man könne nicht jedes Hemd aufmachen“. Wir brauchen ein paar Momente um zu verstehen. Ein gut verdienender Rechtsanwalt mit kundiger Begleitung soll hier nicht anprobieren, sondern nur kaufen. Ob es sitzt und gefällt interessiert das Ladenpersonal anscheinend nicht. Im Laden kreisen Sicherheitsmitarbeiter herum, um auf die teuren Hemden aufzupassen. Ein Herr vom Sicherheitspersonal des Ladens läuft an uns vorbei und beäugt uns skeptisch. Den Herren an der Tür habe ich artig gegrüßt, diesen ignoriere ich.

 

Mein Schützling und ich müssen laut lachen. Das Verkaufspersonal schaut uns fasziniert an. Das macht es nur noch absurder. Wir beschliessen, dass hier weitere Zeit oder gar Geld zu lassen das falsche Signal ist. Die Idee zu diesem Artikel entsteht und wird bei einer Kaffeepause in groben Zügen gleich niedergeschrieben. In einem anderen Geschäft finden wir, was wir suchen und bekommen Hemden gebracht, nach denen ich frage. Wir hatten an diesem Samstagnachmittag eine Menge Spaß und Erfolg, aber dazu trug nicht jedes Verkaufspersonal bei. 


Das Geschäft mit der interessanten Einstellung schliesst auf der Königstrasse und zieht um. Auf den grell gelb-roten Postern des Räumungsverkaufs weisst es darauf hin, hier würde nun ein „Designeroutlet“ einziehen. Die Botschaft ist wohl, dass Jetset Mode alteingesessene Geschäfte verdrängt und dass dieses Geschäft ein Opfer ist. Manche gehören aber einfach nicht in die Prime Location. 


Photo: Men's Individual Fashion
Photo: Men's Individual Fashion

Der Schuh definiert den Mann

 

Wegen der überragenden Bedeutung guter Schuhwahl und sorgfältiger Pflege für die Herrengarderobe veröffentlicht Men's Individual Fashion eine eigene Rubrik zum Thema Herrenschuhe.